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Tirana

Trauen wir uns mit dem Forgon nach Tirana? Klar, warum nicht. Kaum standen wir vor dem Restaurant, schon saßen wir in einem gut eingefahrenen klapprigen Ford Transit, der uns zunächst nach Fushe Kruja für 100 Leke brachte. Dort umgestiegen in einem wirklich ausgelutschten Forgon, ein MB 207 D, den ein Mann im Rentenalter sicher chauffierte. Bis in die Innenstadt von Tirana sind es etwa 30 Kilometer, 200 Leke wurden verlangt. Aber selbst hoch elegante gekleidete und gut duftende junge Frauen (was hatten die vor?) mit männlicher Begleitung ließen sich auf den schmuddeligen Sitzen nieder. Da halfen auch die Schonbezüge mit Mercedesstern nicht mehr...

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Die Hauptstadt Tirana ist das kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes, rund 800.000 (die Angaben schwanken zwischen 500.000 und einer Million) Menschen leben einschließlich des Umfeldes dort. Nachdem wir „ausgeladen“ wurden, liefen wir schnurstracks auf den Skanderberg-Platz zu, im Herzen der Stadt.

Immer wieder wollten uns Roma-Kinder irgendwelche Dinge verkaufen, Pflaster, Kugelschreiber, dreist wurde ein Euro verlangt, und sonst was für Krimskrams. Das war manchmal ganz schön lästig, aber letztendlich kein Problem.  

Der riesige Platz wird vom ehrwürdigen elf Meter hohen Reiterdenkmal des „Gjerg Kastrioti Skenderbej“ beherrscht. Das Nationalmuseum, der Uhrturm neben der „Ethem-Bey-Moschee“ die Nationaloper, dort kann man übrigens gemütlich in einem Café sitzen und das quirlige Leben beobachten. Wenn man zur Toilette will, dann musste man durch den abgedunkelten Zockerraum, wo Bingosüchtige die Zahlen abstreichen. Dann noch ein Spiel, die Menschen vor den Bildschirmen starrten und starrten, auf einen Gewinn hoffend...

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Wir haben uns in eine der Nebenstraßen begeben, bis wir zufällig auf einen Basar gestoßen sind, der uns sehr an Nordafrika erinnerte. Hier gab es alles, neben den Schuhen der Metzger, Haushaltswaren, Klamotten und in dem überdachten Teil Käse, Gemüse, Obst, wieder Schuhe, Unterwäsche, Spielzeug, Elektronik und vieles mehr. Wir wurden völlig in Ruhe gelassen, nur deutlich erkennbar immer wieder aus den Augenwinkeln beobachtet. Da wir solche Märkte lieben, entstanden viele Bilder.

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Den Boulevard „Deshmoret e Kombit“ erreichten wir zwischen den Gebäuden verschiedener Ministerien. Vorbei am Nationalparlament, am “Rinia-Park“, und an der Hoxhas „Piramida“, die kurz vor dem Abriss steht.

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Über den Lana-Kanal zum Mutter-Theresa-Platz. Sogar ein Stück der Berliner Mauer vom Potsdamer Platz steht hier.

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Wir haben die Hauptstadt irgendwie als „Pflichtprogramm“ besucht, ein widersprüchliches Bild wurde geboten. Armut und Reichtum dicht nebeneinander, die teuersten deutschen Luxuslimousinen und der Verkäufer am Straßenrand, der Plastikspielzeug verkauft. Die ältere Frau, die frisch geröstete Maiskolben anbietet, oder der Mann mit gerösteten Kastanien, ebenfalls am kleinen Holzkohlengrill auf dem Bürgersteig. Immer wieder die hartnäckig bettenden Roma-Kinder. 

Monumentale Bauten aus der kommunistischen Ära wechseln sich mit moderner Architektur ab, dazwischen ein Gewirr von manchmal desolaten Wohnhäusern. Wer z.B. Paris kennt und daran seine Erwartungen einer Hauptstadt knüpft, der sollte wegbleiben. Wer aber diese Spannungsbreite mal erleben möchte, der „muss“ Tirana besuchen.

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Irgendwann am Nachmittag wollten wir zurück, aber wie und wo? Mal gefragt, was kostet ein Taxi? 4.000 Leke, nein Danke, auch die „Preissenkung“ auf 25 Euro sprach uns nicht an. Wir haben uns an den Abfahrtstationen der Busse nach Fushe Kruja durchgefragt, sechsmal, fünfmal eine Richtung gewiesen bekommen. Kaum waren wir an der richtigen Stelle (ca. 1 km vom Skanderberg-Platz) saßen wir im respektablen Linienbus, mit allerdings sehr engen Sitzreihen. Unglaublich günstige 30 Leke wurden pro Person kassiert, nicht vom Fahrer, es gab noch einen Schaffner. In Fushe Kruja setzten wir uns in ein Taxi, der fast 500.000 Kilometer gelaufene, aber sehr gepflegte MB 200 D brachte uns für 500 Leke zu unserem Stellplatz. Der Fahrer tätschelte das glänzende Armaturenbrett und sagte ein wenig verklärt “Mercedes Deutschland“! 

Wieder kehrten wir am Abend in das Restaurant ein, schließlich war es Sonntag. Auch heute wurden wir gut gegen Leke verpflegt, dann noch die 5 Euro (!) für das Übernachten bezahlt. Der Preis ist inklusive der fast gleichmäßigen Beschallung durch die stark befahrende Straße.

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