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Andros - Tinos - Pirgos

Nur einen kleinen Hüpfer weiter liegt Tinos, aber die Häfen liegen weit auseinander. Die Fähre der „Fast Ferries“ brachte uns um 9:30 Uhr für 92 Euro in gut 1 1/2 Stunden nach Tinos Stadt.

Der Name Tinos soll von dem Bergriff „große Giftschlangen“ abstammen, der Meeresgott Poseidon hat sie der Legende nach vernichtet. Erste Besiedlungen im 5 Jahrhundert vor Christi, Unter anderen Venezianer und Türken besetzten im Laufe der langen Geschichte die Insel. Im großen Freiheitskampf 1823 wurde die Ikone der Panagia gefunden, das stärkte dem Kampf.

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Dort haben wir zunächst den stadtnahen Strand erkundet, der uns nicht sonderlich reizte, dann haben wir uns entschlossen die Insel zu durchqueren. Die Fahrt nach Pirgos wird im Reiseführer als Panoramafahrt durch die wilde, teils karge Region der Marmordörfer beschrieben. Isternia ist eins dieser Dörfer, lag auf der Strecke, hübsch anzusehen, wirkte aber wie ausgestorben.

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Weiter ging die Fahrt, immer wieder herrliche Aussichten auf das Meer. Pirgos ist das „Bilderbuchdorf“ aus weißen Schachtelhäusern, inmitten von kargen braunen Bergketten.

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Hier hat die Marmorbearbeitung eine lange Tradition, viele Details in den schönen Gassen sind aus Marmor.

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Die zentrale „Platia“ mit seinen Cafés und Tavernen unter einer riesigen Platane hat seinen besonderen Charme.

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Das moderne Museum der Marmorbearbeitung hoch gelegen am Ortsrand zeigte uns die Entwicklung der Marmorgewinnung und einige historische Marmorkunstwerke. Uns älteren Herrschaften wurde noch nicht einmal Eintritt abverlangt, fast schon ein wenig peinlich, aber die nette Frau an der Kasse lachte nur.

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Ormos Panormou

Nur 4 Kilometer weiter von Pirgos liegt Ormos Panormou, früher der Wirtschaftshafen von Tinos, von hier wurden der Marmor aus den Steinbrüchen der Umgebung verschifft. Heute ein nettes ruhiges Fischerdorf mit etlichen Tavernen, überwiegend für die Tagesgäste, die den Strand besuchen. Der kleine Hafen mit Fischerbooten und zwei eleganten Segelyachten bot Platz für eine Übernachtung. 

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Die Taverne „Agoni Grammi“ soll laut Reiseführer auf der ganzen Insel beliebt sein und ist die, wo die Abendsonne noch lange scheint, bevor sie hinter der Hügelkette verschwindet. So ließen wir es uns bei Wein, Salat, Sardinen und gegrillten Tintenfisch am Stück gut gegen. Der griechische Mokka ging aufs Haus, wir schauten lange dem beschaulichen Leben am Abend zu. Im kleinen Mini Markt noch ein paar Weintrauben gekauft und einen 10 Liter Wasserballon (2,50 Euro) für unser Kaffeewasser, was der Inhaber zunächst nicht glauben wollte.

Der Wein schmeckte uns gut, also nochmal mit einer leeren Flasche zurück zur Taverne, um einen Liter „außer Haus“ zu kaufen. Der Weißwein stand mit freundlichen 6 Euro auf der Karte, den Wein habe ich sofort bekommen, aber der Wirt wollte ums verrecken kein Geld dafür annehmen. Ich war völlig baff, die kleine Gesellschaft hatte ihren Spaß und wünschte alles Gute. Das man einem Fremden so begegnet, war sehr erfreulich.

Die Nacht war in der Dämmerung zu Ende, als die Fischerboote startklar gemacht wurden, lange tuckerte irgendein Motor. Das war uns allerdings vorher klar, Fischerhafen eben, aber dieser herrliche Meeresplatz entschädigte dafür. Außerdem ging es den Besatzungen der beiden edlen Segelyachten neben uns nicht anders...

Schön, der Gemüsewagen kam, hielt direkt hinter unserem Mobil, ein reichliches Kilo geschmackvoller Tomaten wurden für einen Euro erstanden.

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Bald sind wir ein Stück weiter gefahren, bis die Straße in einer kleinen Bucht mit wenigen Häusern endete, der Sandstrand lockte. Eine Strandbar vermietete Liegen, was die Beifahrerin trotz Liege an Bord wahrgenommen hat. Schließlich sind wir hier Gäste und parken kostenlos. Übrigens, die Tagesgebühr für eine Liege betrug 2,50 Euro und wurde sogar mit einer ordentlichen Kassenquittung bestätigt.  

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Am Abend standen wir wieder im Hafen, die Taverne „Agoni Grammi“ verpflegte uns wieder.

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Am Nebentisch Österreicher, mit dem redseligen Tom kamen wir ins Gespräch, der von Deutschland nach Österreich gezogen ist und oft einige Wochen auf Tinos Urlaub macht. Er schenkte uns seinen gut gemachten 2017er Tinoskalender, selbst fotografiert, herzlichen Dank. Später spendierte er uns noch einen ½ Liter Wein, so saßen wir bis in die Dunkelheit und genossen die friedliche Atmosphäre. 

Tinos Stadtbummel

Die wunderschöne Panoramastraße führte uns wieder an zahlreiche kleine weiße Kirchen vorbei, die in der brauen Landschaft hervorstachen. Auch die oft filigran von den Venezianern errichteten Taubentürme von Tinos waren allgegenwärtig. Die Venezianer liebten das zarte Fleisch, aber auch den Taubenmist (Guano), den sie als Felddünger verwendeten.

In Tinos Stadt konnten wir im Hafen gut parken, es herrschte allerdings eine drückende Wärme um die 35 Grad. Bald erreichten wir die schnurgerade Wallfahrtsstraße hinauf zur Stiftungskirche „Panagia Evangelistria“, entstanden, weil dort 1823 eine über 800 Jahre alte verschüttete Ikone gefunden wurde, die Priestertochter Loukia träumte davon...

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Das ganze Jahr über erreichen Tinos Pilgerströme. Von denen einige, auf einem Teppichboden am Straßenrand, auf den Knien zur Kirche kriechen. Auch bei unserem Besuch krochen Frauen, bis auf eine Ausnahme eines jungen Mannes, mühevoll und schwitzend auf den Knien den Berg aufwärts. Manche ihrer Männer schlenderten “gelassen” daneben her. Die nicht ganz so harten Büßerinnen hatten dicke Knieschoner umgeschnallt und trugen Handschuhe.  

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Vor der Kirche viele Menschen, lange Kerzen wurden verkauft und kleine Plastikfläschchen, um Weihwasser abzufüllen. Wir haben einmal unten kurz reingeschaut, wo das Weihwasser gezapft werden konnte, uns dann tolerant zurückgezogen. Die Bildnisse hinter Glas wurden geküsst, sich zigmal bekreuzigt, es herrschte ehrfürchtige Stille. In den langen Menschenreihen oben zum Eingang der Kirche (zur wundertätigen Ikone der Panagia) mochten wir uns nicht anstellen, dazwischen immer wieder einzelne kriechende Menschen. 

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In der Basarstraße reihten sich die Lädchen aneinander, es wurden Souvenirs aller Art verkauft, natürlich auch viele Heiligenbildchen. Noch ein wenig umgeschaut, etwas Brot gekauft und Blätterteig mit Spinat gefüllt, für den aufkommenden kleinen Hunger. Ein Geldautomat spuckte anstandslos Euronen aus. Die Wärme ließ für größere Erkundungen nicht die richtige Lust aufkommen. Mit einem kleinen Abstecher sind wir die rund 30 Kilometer zurück nach Ormos Panormou gefahren.

Kurz hinter Isternia erreicht man eine kleine Passhöhe, auf dem Kamm stehen einige Windmühlenruinen. Am Strand, wo sich Wolken und Sonne abwechselten erfrischte ein Bad im Meer, eine schlichte Stranddusche bot sich zum abspülen des Salzwassers an.

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Einen langen Abend verbrachten wir mit Tom und einem österreichischen Paar mit viel Spaß bei einem Würfelsteckspiel wieder in der Taverne „Agoni Grammi“. Niko, ein älterer Grieche spielte mit, so kam manch Karaffe Wein auf den Tisch. Beim abrechnen war der Wirt mal wieder großzügig. Die gegrillten Kalamari waren vorzüglich, auch hier wird der griechische Salat mit Kapern serviert, eine Köstlichkeit. 

Isternia Bay - Ormos Isternion

Wir folgen einem Tipp von Tom und kurvten uns eine zum Teil steile Serpentinenstraße herunter in die Isternia Bay, ein paar Häuser, drei Tavernen, ein kleiner Strand und eine große Fläche zum parken, wunderbar.

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Tagsüber lagen sehenswerte Yachten in der Bucht.

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Die Taverne „To Thalassaki“ genießt auf Tinos laut Reiseführer einen guten Ruf, liegt schön an der Mole mit Blick auf das Meer, nur war sie an diesem Abend von einer Hochzeit belegt. Also die kleine Taverne nebenan, der junge Mann, der auch bediente, sprach sogar deutsch, war aber wortkarg. Chefe führte uns in die “sehenswerte” Küche, zeigte seine Fische im Kühlfach, zwei landeten für uns auf dem Grill. Der Grillmeister, ein älterer Mann mit freiem Oberkörper und verblichener Blümchenbadeshorts hantierte vor dem Holzkohlengrill, wirklich sehenswert... Chefe war nicht der freundlichste, aber auch seine Landsleute bekamen nicht mehr Lächeln ab. Irgendwie entstand der Eindruck, Gäste sind ein wenig lästig, aber das Essen war ganz ordentlich. Lange schauten wir noch den Hochzeitsgästen zu, die zunächst aßen und palaverten. Das geht aber ruhig ab, so dachten wir. Weit gefehlt, mit dem Alkoholpegel stiegt die Stimmung, bis weit nach 2 Uhr drang die Musik zu uns rüber. 

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