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Korsika im Spätsommer 2011, ein Reisebericht von Bernd Loewe

September und Oktober 2011

Dieser individuelle Reisebericht hat nicht den Anspruch alle möglichen Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten der Insel zu beschreiben. Autorenmotto: Man kann sich vieles ansehen, aber man muss es nicht.

Auf die vollständige Angabe von GPS-Koordinaten verzichtet der Autor, bis auf ausgewählte Ausnahmen. Falls jemand die Tour teilweise nach fahren möchte, die beschriebenen Stellplätze lassen sich mit einer guten Landkarte (Empfehlung Michelin Korsika Nr. 345, 1:150 000) auch so gut finden. 

Korsika (Wikipedia) bietet viel, eine wunderschöne „wilde“ Landschaft, historische Stätten und tolle Strände. Man kann sich viel ansehen, wandern oder einfach nur im Meer schwimmen.

Der locker geschriebene Reiseführer über Korsika aus dem Verlag Martin Velbinger begleitete uns. Hier sind neben vielen beschriebenen Campingplätzen auch hin und wieder Hinweise für Reisemobile zu finden. Einschlägige Reiseberichte aus dem Internet haben geholfen, die Tour ein wenig zu planen.

Auf der Übersichtskarte aus Wikipedia zeigen die blauen Linien die Routen mit dem Reisemobil oder mit dem Motorroller.

Stell- und Campingplätze

Auf Korsika haben die Massen von Reisemobilen in der Vergangenheit deutliche Restriktionen zur Folge, 2-Meter Barrieren sind oft zu sehen. Schilder mit einem durchgestrichenen Reisemobilsymbol und auch viel neue amtliche Schilder mit Reisemobil Piktogramm „Interdit“ (verboten) sind nicht selten. Selbst ganze Straßen sind seit kurzem für Reisemobile gesperrt.

Korsika Route
Interdit

Die vielen Reisemobile aus Italien, Frankreich und Deutschland und die Unverfrorenheit der Eigner haben zu den vielen Einschränkungen geführt. Allerdings werden Reisemobile offensichtlich besonderes „bekämpft“, zumindest entsteht der Eindruck. Was soll man sagen, die Maßnahmen der Korsen wirken! Andererseits wird in der Nachsaison alles nicht so ernst genommen, aber man muss sich aber schon dazu durchringen die Beschilderung zu „übersehen“. Als Alternative gibt es hin und wieder auch offizielle Stellplätze der Gemeinden, zwischen 5 und 15 Euro haben wir bezahlt, manchmal auch mit Ver- und Entsorgung. Auch Parkplätze in der Nähe von Stränden lassen hin und wieder Übernachtungen gegen Gebühr zu. Es wurde in der Nachsaison nicht immer kassiert.

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Haben hier Reisemobilisten das Gewehr gezückt? Oder waren das schießwütige Korsen?

Auf Korsika gibt es sehr viele unterschiedliche Campingplätze, von familienfreundlichen Touristenburgen mit Restaurant und Unterhaltung, bis hin zu abgeschiedenen Plätzen mitten im Landesinneren. Wir haben zwischen 15 und 18 Euro ohne Strom bezahlt, teurere Plätze sind natürlich auch vorhanden. Allerdings schließen Mitte September bereits die ersten Plätze. Ab Oktober wird es schwierig, einen geöffneten Campingplatz zu finden. Die Plätze liegen außer an der Ostküste überwiegend nicht am Meer, sind daher aus der Sicht des Autors nicht sonderlich attraktiv. Die Ausstattung ist manchmal sehr bescheiden, was kein Nachteil sein muss, wenn man ein autarkes Reisemobil fährt. Außerdem haben niedrige Bäume auf den Campingplätzen einige Streifen auf dem „Big Grasshopper“ hinterlassen, der Fluch eines 3,32 Meter hohen Alkovenmobils. Uns hat nur ein Campingplatz gut gefallen, San Damiano bei Bastia.

Hier erwähne ich das mal, unsere chemiefreie Gülle fand immer mal wieder eine respektable Entsorgungsstelle auf einer der nicht so seltenen wilden Müllkippen, die von der Gülle mehr profitierte, als der andere Abfall dort an Umweltsauerei verursachte. Da wir nebenbei bemerkt insgesamt drei Toilettenkassetten an Bord haben, sind wir nicht so oft auf eine Toilettenentsorgung angewiesen. Ansonsten konnten auch mal die Entsorgungsstationen der Gemeinden oder von Campingplätzen genutzt werden.

Wir waren 31 Tage auf der Insel, an 20 verschiedenen Orten haben wir übernachtet. Davon 8 Tage auf Campingplätzen, die insgesamt 113,80 Euro kosteten. Die 23 Tage auf freien und kostenpflichtigen Stellplätzen kosteten 40 Euro, da oft in der Nachsaison nicht mehr kassiert wurde. Das ist nur die nüchterne Rechnung, die „Knete“ ist nicht so entscheidend, sondern die „kleine Freiheit“ des freien Übernachtens, was für den Autor den Reiz dieser Art zu reisen ausmacht. Gerne haben wir unser Geld in dem einen oder anderen ausgesuchten Restaurant ausgegeben. Wenn man dort in der Nähe stand und zu verstehen gab, man ist mit dem Camper da und möchte übernachten, dann haben wir nur Zustimmung zur Antwort bekommen.  

Die Korsen

Tja, manchmal hat man den Eindruck, die Touristen werden nur als notwendiges Übel betrachtet, um Geld zu verdienen. Überschäumende Freundlichkeit ist uns nicht begegnet. Die Korsen sehen sich nicht als Franzosen, sie lieben ihre Insel und liebäugeln noch immer mit einer Unabhängigkeit. Die Zeiten der ernsthaften Freiheitskämpfe mit Anschlägen und Morden scheinen aber vorbei zu sein, da die Pariser Zentralregierung einige Zugeständnisse gemacht hat. Allerdings sieht man noch immer gesprühte Sprüche wie „Corsika libre“. Mehr Autonomie, am liebsten völlige Loslösung von Frankreich, ist anscheinend noch immer der Wunsch vieler „echter“ Korsen. Oft sind auf den zweisprachigen Ortsschildern die französischen Bezeichnungen übermalt. Sind das noch immer s.g. Freiheitskämpfer, oder nur Bedepperte, die öffentliches Eigentum beschädigen?

Übermaltes Ortsschild

Restaurants

Im Restaurant kommt man sprachlich auch radebrechend zurecht, das wird so gerade eben toleriert, man will ja verdienen. Ganz selten haben wir deutsche Speisenkarten in den touristischen Hochburgen gesehen. Manchmal hilft ein kleiner Sprachführer und dann einfach mit dem Finger auf das Gewünschte zeigen. Die fast überall angepriesenen Fische und Krustentiere sind eine teure Delikatesse. Wie in Frankreich üblich, werden auch Menüs serviert. Ein drei- bis viergängiges Menü gibt es etwa ab 15 bis 25 Euro (aber auch bis 55 Euro) und haben uns immer gut geschmeckt. Eine Mahlzeit ohne Wein ist hier fast undenkbar, Flaschen gibt es ab 15 Euro, einen ½ Liter Wein in der Karaffe haben wir schon für 4 Euro bekommen. Da ist manchmal sogar das Bier teurer. Ordentliche Pizzen erhält man ab 7 bis 9 Euro, die uns immer sehr gut geschmeckt haben. Der Tourismus hinterlässt auch hier seine Spuren, die klassische korsische Küche ist selten geworden. Allerdings werben einige touristische Restaurants mit korsischer Küche. 

Menüs

Einkaufen und Tanken

Kleine sehenswerte Gemischtwarenlädchen in den Dörfern mit oft guter Auswahl sind oft eine Augenweide, aber auch etwas teurer. Die großen Supermärkte mit tollem Sortiment und guter Auswahl frischen Fischs, findet man am Rande der größeren Städte. Alles vorhanden, kostenmäßig in bestimmten Produkten im Preisniveau Deutschlands, manchmal sogar etwas darunter. Beispiele: 350 Gramm schmackhaften Camembert aus der Normandie gab es für 2,95 Euro, Eigennamen der Supermärkte noch günstiger. Die 250 Gramm „Saucisse séche droite“ (trockene Wurst) gab es schon für günstige 1,30 Euro! Obst und Gemüse war immer teurer. Wenn man allerdings zu Spezialitäten greift, dann dann wird es hochpreisig. Da wäre z.B. der leckere korsische Käse, einige Preise trieben einem die Tränen ins Auge, z.B. das kg für schlichte 71,95 Euro. Für Flaschenwein konnte kann man auch mal 20 Euro und mehr bezahlen, wenn man wollte. Aber schmackhaften korsischen Landwein gibt es um die 3 Euro für den Liter, wenn man sich nicht scheut im 5-Liter-Pack zu kaufen.

Umwelt

Es gibt keine Ausrede, Müll muss niemand in der freien Natur oder an den Stränden Korsikas hinterlassen. In den Orten gibt es oft Müllsammelstationen, wo auch die Bewohner ihren Müll trennen. Überall sieht man grüne Müllcontainer am Straßenrand. Aber leider findet man an den Stränden immer wieder Zivilisationsmüll, Plastikflaschen, Verpackungen usw., sehr schade. Hier wird noch nach dem Motto Urlaub gemacht: „Nach mir die Sintflut“. Da es überwiegend an den Stränden keine Toiletten gibt, kommen aus der umliegenden Macchia auch mal weniger angenehme Gerüche. Unzählige Papiertaschentücher dokumentieren die „Geschäfte“. Das Umweltbewusstsein der Korsen ist nicht so sehr ausgeprägt, in der Macchia oder an Hängen in der Landschaft findet man immer wieder mal auch noch heutzutage „vergessene“ Autowracks, Kühlschränke, Herde und vieles mehr. Nicht selten sieht man unterwegs wilde Müllkippen, wo wirklich alles entsorgt wird. 

Straßen und Tanken

Die Insel der 10.000 Kurven hat enorm schöne Strecken zwischen Meer und Gebirge zu bieten. Sehr beliebt bei Motorradfahren aus allen Ländern, die oft Kopf runter konzentriert, ohne auf die Landschaft zu schauen, knatternd durch die Kurven brettern. Der Straßenzustand auf den Hauptstrecken an der Westküste ist meistens gut, auf den Nebenstrecken oft sehr eng und manchmal viele Schlaglöcher. Fast in jedem Ort werden die Raser ausgebremst, 30 km/h Schilder und regelmäßig grässliche Buckel aller Art, mal gepflastert, mal asphaltiert oder mit s.g. Kissen. Das ist mehr als lästig, da man gezwungen wird, sein Reisemobil immer ordentlich unter 30 km/h abzubremsen, damit die Tassen im Schrank bleiben. Die 1.071 km haben wir aber gut überstanden.

Enge Straßen

Einige einspurige Streckenführungen mit wenigen Ausweichstellen sind teilweise ein wenig abenteuerlich. Manchmal reicht die Breite der Straße nicht, um einem Pkw normal zu begegnen. Auch Bremsspuren, die im Nichts enden, sind hin und wieder auch zu sehen. Aber mit einer defensiven Fahrweise lassen sich die Straßen mit einem normalen breiten Reisemobil schon meistern. Vor allen Dingen sollte man alle Vorstellungen von Tempo, Eile und Hast aufgeben, um sich fortzubewegen braucht man viel Zeit. Ganz anders die Ostküste, dort ist die Nationalstraße die unfallträchtige Rennstrecke der Insel. Was vom Autor uneingeschränkt respektiert wurde, für Reisemobile gesperrte Straßen nicht zu befahren.

Tankstellen gibt es reichlich, der Liter Diesel war zwischen 1,33 und 1,47 Euro zu haben. Die 24-Stunden Tankautomaten haben so ihre Tücken. Mal nehmen sie kein Bargeld, aber auch nicht alle Kreditkarten werden akzeptiert. 

Zweirad

Ein Motorroller macht auf der Insel richtig Freude. Jedes Dorf ist erreichbar, parken an den engsten Stellen nie ein Problem. In einigen Orten wären wir mit dem Reisemobil niemals rein gefahren, bzw. wir hätten keinen Parkplatz gefunden. Aufgefallen ist uns, einen Helm trägt jeder korsischer Zweiradfahrer, aber oft ist die sonstige Kleidung, auch die der Touristen, eher leger, als irgendwelche Sicherheitsaspekte zu erfüllen. Selbst die Polizei fährt auf dem Motorrad im kurzem Hemd Streife. Die bessere Hälfte sagte, wir wären auf der ganzen Insel die einzigen Motorrollerfahrer, die eine Motorradjacke tragen. Sie könnte recht gehabt haben. 

Motorroller auf Tour

Immerhin 1.088 Kilometer hat unser 125er SYM Motorroller uns durch die schönen Landschaften Korsikas gefahren, die Düfte stets um die Nase gewedelt. Verbrauch leider unter 30 Liter... auf 1.000 Kilometer! Tja, beim Tanken ist so ein Gerät auch eine reine Freude. Meint doch die bessere Hälfte, sie würde viel lieber mit dem Motorroller tanken! Aber damit nur Urlaub machen, wollte sie auch nicht. Nun ja, dafür ist der Liter Diesel für das Reisemobil etwas günstiger...

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Macchia

Die Macchia ist bekannt für ihren intensiven aromatischen Duft, das können wir nur bestätigen. Etwa ein Viertel der Insel ist damit bedeckt, aber was ist das eigentlich? Macchia ist im Prinzip ein Sammelbegriff für alle wild wuchernde, immergrüne Bäume, Sträucher, Kräuter und manchmal auch Blumen. Nicht selten mehrere Meter hoch und ineinander verwachsen. Das Zeugs überwuchert alles, selbst Autowracks und verlassene Häuser verschwinden nach und nach darunter. Im Sommer besteht eine große Gefahr für Brände, daher gilt ein strengstes Verbot von offenen Feuer. Bei Verstößen sollte die Strafe drastisch sein, mindestens die rechte Hand abhacken... oder so ähnlich.  

Und nun zur Reise...

Es war mal wieder soweit, unser „Big Grasshopper“ rollte am Freitag, den 9. September 2011 gegen Mittag von Hattingen an der Ruhr zur Autobahn. Nach rund 6 ½ Stunden erreichten wir nach einigen Staus den gut besuchten kostenlosen Stellplatz in Emmendingen, der uns mal wieder für eine Zwischenübernachtung aufnahm. Das nah gelegene Restaurant „Campus“ am Sportplatz stillte unseren Hunger und Durst.

Nach einer ruhigen Nacht drängte es uns Richtung Schweiz. Bei Luzern erwischte uns ein Mega-Stau, Grund war eine einspurige Baustelle, die über zwei Stunden Zeit kostete. Aber kein Problem, die Fähre legte ja erst am nächsten Morgen ab. Wie immer passierten wir flott die italienische Grenze, wie bei der Einreise in die Schweiz, auf der Bus- und Gespannspur. Wir fuhren mit einer „langen Nase“ an den zahlreichen Pkws vorbei, die uns bald wieder rasant überholten. An Autobahngebühren entstanden bis Genua 2,00, 2,70 und 9,30 Euro. Die teilweise automatischen „Raubritter“ nahmen erfreulicherweise für Reisemobile kaum höhere Tarife als für die Pkw.  

Im Herbst 2009 haben wir in Arenzano an der Stadtgrenze zu Genua auf einem Strandparkplatz übernachtet, die 2-Meter Barrieren waren seinerzeit geöffnet. Der Ort war schnell gefunden, aber am heutigen Samstag „steppte der Bär“. Es war noch Saison, alles zugeparkt und die Standpomade quirlte über von Menschen, die den warmen Sommertag genossen. Nix wie weg!

Das Navi enthielt noch die Koordinaten des Stellplatzes an der „Stazione AGIP Molassana“ in Genua. Wir wurden zuverlässig über die Stadtautobahn, die 3,50 Euro Gebühren kostete, zu dem 35 km entfernten Stellplatz geführt. Nachdem sich in Arenzano ein Tankautomat nicht überreden ließ unsere Scheine anzunehmen, konnten wir auf der Fahrt zum Stellplatz an einem weiteren Tankautomaten für immerhin 1,394 Euro tanken. Direkt an einer gut befahrenden Straße fanden wir den kleinen Stellplatz auf dem Gelände der Tankstelle.

Überfahrt Genua - Bastia

Die Nacht konnte der Pilot dank Ohrstöpsel halbwegs gut schlafen, bereits früh um 6 Uhr ging der Wecker. Die Copilotin war weniger ausgeschlafen. Weder am Vorabend, noch am Morgen war Personal an der automatisierten Tankstelle, so konnten wir die ausgewiesenen 12 Euro Übernachtungsgebühren niemanden übergeben. Auch heute sollte uns das Navigationsgerät durch die Stadt zum Fährhafen führen, aber diese Aufgabe meistere das Garmin in dem Straßengewirr Genuas nur unzureichend. So fuhren wir zunächst Richtung Zentrum, dann war der Fährhafen ausgeschildert. Rechtzeitig vor 7:30 Uhr, dem Check-in Ende, standen wir in der Reihe der Camper parat. Die Fähre der Linie Moby namens „Freedom“ wurde bereits entladen, aber Zeit für ein Tässchen Kaffee war noch vorhanden.

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Schnell standen wir auf dem Schiff, als einer der ersten Fahrzeuge vor den gewaltigen Klapptoren. Das ermöglichte die Inbesitznahme zweier klappbaren Sonnenliegen an Deck, die wir hinter einer vor Wind schützenden Glaswand stellten. Nach der überpünktlichen Abfahrt kurz vor 9 Uhr flüchteten fast alle Menschen von der reichlich zugigen Reling ebenfalls hinter die Glaswände.

Die dicken Wolken verschwanden bald, nach 4:45 Stunden erreichten wir pünktlich bei strahlenden Sonnenschein Bastia.

Und nun zur Rundreise auf Korsika:

1. Bastia - Cap Corse

2. Balagne - Galeria

3. Golf von Porto

4. Golf von Sagone und Ajaccio

5. Golf von Valinco

6. Südspitze

7. Ostküste

8. Corte - Bastia

9. Rückfahrt I - Ch - D

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Stellplatz am Abend

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