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Spanien - Portugal - Marokko September / Oktober / November 2015

Ein Reisebericht von Bernd Loewe

Geschafft! Alle Termine koordiniert, nix wie weg... Wir rollten gegen Mittag Richtung Aachen, durchquerten Belgien, immer wieder regnete es. Übernachtet haben wir ca. 50 Kilometer vor Paris, in Roye mitten im Ort auf einen ausgewiesenen kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. Nach einer ruhigen, aber regnerischen Nacht, geht es am nächsten Morgen weiter. Dank Sonntag hält sich der Verkehr in und um Paris in Grenzen, denn Frau Garmin nahm den kürzeren Weg, den inneren Ring. Immer wieder Regen, bis hin zu starken Schauern. Bei Chartes verlassen wir die Autobahn, mit insgesamt 47,30 Euro genug Tribut in die „Spendenautomaten“ zum Erhalt der französischen Autobahnen gezahlt. Etwas dreist, die Spende ist vorgegeben, Klasse 3 für Reisemobile über 3,5 t oder über 3 m Höhe. Also Frau Garmin, die Vorgabe ist, Mautstraßen vermeiden.

Die D910 bzw. weitgehend N10 ist gut ausgebaut bis Tours, Ortschaften werden mit erlaubten 70 Km/h durchquert. Weiter nach Poitiers per Landstraße, hier wieder D910, zum Schluss etliche nervige Kreisverkehre. Eine Wohltat, die vierspurige N10 ab Poitiers in Richtung Bordeaux. Diese Strecke ist für Fahrzeuge über 3,5 t auf 80 Km/h beschränkt, aber das ist kein Problem für uns, Tempomat eingestellt und rollen lassen. Tanken konnten wir in diesen Tagen zwischen 1,042 und 1,09 Euro an den Supermärkten. Übernachtet haben wir in Bedenac etwa 50 km vor Bordeaux, mitten im Dorf gegenüber der Kirche, mit Glockenschlägen zur jeder vollen Stunde, auf einem Picknickplatz. Mit uns dort, drei Fahrzeuge mit Wohnwagen und ein uralt Lkw eines ein wenig armseligen Zirkus. Wäsche wurde gewaschen, die Toiletten waren der ruhigen kleinen Truppe willkommen. Auch in der Nacht viel Regen, am Morgen weckte uns der Verkehr der nahen Straßen. Der Himmel riss vorübergehend auf, die Sonne ließ sich blicken. Aber die Hoffnung trügte. 

Spanien - Zumaia

Auch heute verließen wir uns auf Frau Garmin und haben Mautstraßen gemieden. Hinter Bordeaux auf die A63, zwischendurch ein Stück Landstraße, dann Autobahn bis kurz vor Biarritz. Der dortige Stellplatz war eigentlich unser Ziel, aber auf Biarritz bei Regen haben wir verzichtet. Jetzt fuhren wir „richtige“ Landstraßen, viele Kreisverkehre. Besser wäre es wahrscheinlich gewesen, ein wenig Maut zu bezahlen. Es fielen immer wieder kräftige Regenschauer. In Spanien wurde irgendwann die Küste erreicht, der Atlantik peitsche die Wellen an die Felsensteilküste.

Küste

In Zumaia am Yachthafen auf dem ausgewiesenen neuen zweiten Stellplatz an der Marina Elkano gefahren, mit toller Aussicht auf den Ort und das Wasser.

Zumania Stp

Es ist trocken, aber noch immer bewölkt, wenigstens knapp 20 Grad, also spazieren wir in die Stadt. Hier pulsierte das Leben, viele Kinder tobten über die Plätze, die Kneipen waren gut gefüllt. In einer Taberna, ausschließlich unter sich lebhaft unterhaltenden Spaniern, konnten wir eine Kleinigkeit preiswert essen. Ein Glas Roséwein kostete übrigens bescheidene 1,40 Euro, Internet inbegriffen. Immerhin 1.420 Kilometer in 3 Tagen, durchatmen!  

Zumania Stp Kanone 

Santillana del Mar

Gut geschlafen bis am Morgen pünktlich um 8 Uhr die Werft ihren Betrieb aufnahm. Die Ver- und Entsorgungsstation befindet sich am ersten Platz , im Industriegebiet. Schnell noch genutzt und ab Richtung Bilbao auf zum Teil landschaftlich sehr schönen Landstraßen. Ab Bilbao bis Santander mautfreie Autobahn, kurvig, aber bestens ausgebaut. Allerdings stürmte es streckenweise heftig, der hohe Aufbau des PhoeniX bekam immer wieder eine Breitseite, teilweise hat der Pilot sicherheitshalber die Geschwindigkeit reduziert. Auch heute zwischendurch immer wieder mal ein Schauer, verflixtes Wetter! 

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In Santillana auf dem Gemeindeparkplatz wurden 2 Euro Parkgebühr kassiert, der Parkwächter bedeutet ungefragt, eine Übernachtung wäre kein Problem. Kaum war der Motor abgestellt, schon wieder ein Schauer...

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Das wunderschön restaurierte mittelalterliche Städtchen war dennoch gut besucht, wir schlenderten in einer Regenpause durch die Gassen. Beeindruckend, die trotzige Kirche des Klosters „De Santa Juliane“. Ein Teilstück des Jakobsweges durchquert den Ort, ein, zwei Pilger waren zu sehen. Keine Frage, ganz am Ende der Straße im Ort haben wir einer alten Dame einen knuffigen langen Wanderstab günstig abgekauft, er hat anschließend den Jakobsweg berührt und ist damit unermesslich im Wert gestiegen...

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Am Abend suchten wir eins der vielen Restaurants auf, im Jardin del Marques wurden wir zu moderaten Preisen ganz ordentlich verpflegt. Interessant in dieser Gegend sind die Menüangebote mit oft großer Auswahl, hier 12,90 Euro für zwei Gänge, Dessert und Wein. 

Comillas – Playa de Meron

Der Parkplatz war wunderbar ruhig, nur die Regenschauer prasselten auf das Mobil, bis im Morgengrauen die Müllabfuhr kam. Aber nochmal die Decke über die Ohren gezogen. Nur 16 Kilometer entfernt, der Ort Comilas, der Parkplatz am Strand war mit einem neuen „Wohnmobile verboten“ Schild ausgewiesen. Macht nichts, es standen schon zwei Mobile dort, die Polizeistation war direkt am Parkplatz. In der Nebensaison offensichtlich kein Problem, übernachten wollten wir ja hier nicht. Blauer Himmel mit einigen Wolken, die Sonne schien, endlich! Ein Stündchen durch den Ort geschlendert, dann weiter gefahren zum Playa de Meron.

Promemade

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Auf dem Parkplatz des Restaurant Meron standen schon zwei Mobile, wir fanden noch ein trockenes Plätzchen auf dem zum Teil vom Regen durchweichten Gelände. Der bei Ebbe riesige flache Sandstrand war nur von wenigen Menschen bevölkert. Wir schlenderten durch den Sand, die Füße im flach heranrollenden Wasser, wunderschön. Einige Surfer nahmen bei Flut den Kampf mit den Wellen auf.

Strand2

Die Sonne hielt sich, bis am späten Nachmittag wieder Wolken heranzogen. Voller Hoffnung gingen wir in das Restaurant, denkste, die Saison war beendet, die Küche war kalt. Aber nicht die mobile Küche... In der Nacht immer wieder Schauer, die Gedanken: „Hoffentlich weicht die doch stellenweise matschige Wiese nicht weiter auf.“

Espasante Porto

Wolken, Wolken, aber trocken. Was nun? Machen wir doch einen größeren Sprung, ab auf die mautfreie Autobahn. Gut 240 Kilometer völlig entspannt auf einer verkehrsarmen Autobahn, alles bestens. In Navia folgten wir den Hinweisen zum Stellplatz mit Ver- und Entsorgung in Olga, am Supermarkt Eroski. Den Stellplatz kann man vergessen, aber eine perfekte Ver- und Entsorgung, prima eingekauft und günstig für 1,029 Euro getankt.

Estaca de Bares

Wetter noch immer bewölkt, manchmal etwas Sonne, also weiter auf immer schmaleren Straßen zum Nordkap Spaniens, Estaca de Bares. Der Parkplatz ähnelte einer Seenlandschaft, das Mobil schaukelte im kräftigen Wind.

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Der nördlichste Punkt Spaniens wurde per Pedes erobert, der Trampelpfad, vorbei an den tiefen Klippen, erforderte bei dem heftigen Wind schon ein wenig Aufmerksamkeit.

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Belohnt wurden wir mit einer tollen Aussicht, begleitet von einer brausenden Brandung rings im die Felsen. 

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Espasante Porto

Die Anfahrt zu einem Klippenparkplatzes endete in einem Dorf, verdammt eng, scharfe Abzweigung. Nein, lieber nicht, also wenden und weiter nach Espasante Porto, freier Blick auf den Strand, den Hafen, das Meer, wunderschön.

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Stellplatz Porto

Das nahe Restaurant bot eine gute Bewirtung, der „leichtfüßige“ Kellner bemühte sich in Englisch, die handgeschriebene Speisenkarte auf einem kleinen Zettel wurde geduldig erklärt. Das Essen war ordentlich, ein schöner Anschluss dieses Tages. An der Bar schwadronierten die Einheimischen, die uns freundlich begrüßten. Zwischendurch wieder mal ein Schauer, diesmal mit einem faszinierenden doppelten Regenbogen.

Regenbogen

Milladoiro – Santiago de Compostella

Nach einer ruhigen Nacht mit ein paar Regenschauern trampelte am Morgen eine Möwe über den Alkoven, einmal die Luke bewegt, weg war sie. Am Strand neben dem Hafen tummelten sich Hunderte ihrer Artgenossen. Wenn die Möwen aufstiegen und sich gegenseitig das Futter abjagten, erinnerte die Szenerie an Alfred Hitchcocks „Die Vögel“. Aber was kann das schon einem „PhoeniX“ anhaben... Beim Frühstück ein wechselhaftes Wolkenspiel, ein wenig Sonne. Der kleine Hafen, die vor sich hin dümpelnden Fischerboote, das glitzernde Wasser, ein interessanter Anblick.

Bald rollten wir gelassen weitgehend über Landstraßen mautfrei Richtung Santiago de Compostella, zunächst zu dem ausgewiesenen Stellplatz in Milladoiro. Die Ver- und Entsorgungsstation war zwar nutzbar, aber der Wasserhahn hatte kein Gewinde und war nur per Druckknopf zu bedienen. Der eigentliche Stellplatz war mit Halden von Schotter zugeschüttet, daher nicht zu befahren. Der Pkw-Parkplatz an den Sportanlagen war für unser Mobil zu eng. Hin und her überlegt, doch den Campingplatz anfahren? Fast schon auf dem Weg, nur 200 Meter weiter ein großer gepflasterter Parkplatz, dort standen schon zwei Reisemobile, wunderbar. Am Abend waren es acht Mobile.

Vor der Schule war eine Haltestelle, es waren auch Busse mit der Beschriftung Santiago zu sehen. Eine junge Frau meinte, hier wären wir richtig. Nur es kam kein Bus. Ein junger Mann sprach uns an, erklärte auf Englisch, wir müssten zur Hauptstraße, dort fahren die Linienbusse, hier würde nur der Schulbus fahren. Na Klasse, also los, etwa 500 Meter weiter, zunächst fuhr uns ein Bus vor der Nase weg, etwa 20 Minuten später saßen wir endlich im Bus, der uns für 1,50 Euro pro Person an den Rand der Innenstadt brachte. Der Busbahnhof war eine große Halle, in der jede Menge Busse hielten.

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Einen knappen Kilometer liefen wir bis zur Kathedrale mitten in der Altstadt, der Dreh- und Angelpunkt aller Pilgerinnen und Pilger des Jakobsweges. Auf dem gewaltigen Vorplatz mit prächtigen Gebäuden tummelten sich die Neuankömmlinge.

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Eine ausgelassene Stimmung herrschte, ein liebevolles Umarmen gegenseitig, nach dem Motto, wir haben es geschafft! Ob all diese Rucksackreisenden den gesamten Jakobsweg gelaufen sind? In der Kathedrale ebenfalls viele Besucher, die am Eingang von Sicherheitspersonal beäugt wurden. Die glänzende Pracht des riesigen Innenbereiches erschlug einem fast, die Gläubigen standen Schlange um eine „besondere“ Statur zu berühren. Wir haben es von weitem gesehen... rings um die Kathedrale viele Souvenirstände und Läden, s c h ö n e Andenken konnte man dort erstehen.

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Nun noch die weitläufige Altstadt erobern, einen Kaffee geschlürft, Ruck zuck waren einige Stunden vergangen. Auf die vielen Museen haben wir Banausen verzichtet.

Wieder im Busbahnhof angekommen, hier war eine Orientierung nicht möglich, keine Hinweisschilder, aber auf Nachfrage fanden wir den richtigen Bus. Wir mussten allerdings etwa ein halbe Stunde bis zur Abfahrt warten, bis wir später wieder in Milladoiro aussteigen konnten. Schnell noch eine Kleinigkeit in einem Lokal gegessen, dann die strapazierten Füße hochgelegt, Glück gehabt, heute zwar dicke Wolken, kaum Sonne, aber immerhin kein Regen. 

Kleines Fazit

Nord Spanien, die Costa Verde, Galicien, eine tolle grüne Landschaft, oft ähnlich den Voralpen, wenn nicht immer wieder mal ausgewachsene Palmen zu sehen gewesen wären. Viele herrliche, zum Teil weitläufige, Sandstrände. Das Wetter war Mitte September (Jahreszeit bedingt?) nicht optimal, daher haben wir unsere Tour an dieser Stelle abgekürzt. Der WOMO-Führer Nord Spanien war sein Geld wert, unendlich viele Stellplätze, Campingplätze konnten wir meiden. 

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