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Olsztyn (Allenstein) Heute war die Abfahrt um 10 Uhr festgelegt. Eine gute Gelegenheit früh morgens noch mal der Altstadt von Elbing zu durchstreifen. Leider waren die Häuser in den Straßen, in denen meine Eltern bis zum Krieg wohnten, nicht mehr vorhanden. Mit gemischten Gefühlen schlenderte ich durch die heutigen Wohnstraßen, denn die Häuser waren oftmals sanierungsbedürftig. Die Bundesstraße Nr. 7 war in einem weitgehend guten Zustand, der Verkehr allerdings bärenstark. Unser Reiseleiter führte uns zu einem modernen Einkaufszentrum in Allenstein, die Besatzungen strömten aus, um die Vorräte zu ergänzen. Die Reisemobile wurden vom Reiseleiter bewacht. |
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Der angekündigte Campingplatz war eigentlich kein offizieller ausgewiesener Platz, sondern 20 Kilometer ab von Ortschaften an einem idyllischen See und Wald gelegenen riesiges Naturgelände, was ehemals von der politischen Oberschicht in hotelähnlichen Unterkünften als Rückzugsraum genutzt wurde. Für unsere Reisemobile konnte der Platz nur aufgrund der Beziehungen unseres Reiseleiters genutzt werde. Wir standen direkt am See auf schattigen Plätzen. Der Strom wurde von der nächsten Laterne abgezweigt. Baden, Angeln, Paddeln oder Rudern, alles war möglich. Aber die Hitze lähmte die Lust auf Aktivitäten. |
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Um 19 Uhr wurden wir in das erlauchte Restaurant der kommunistischen Bonzen zum Abendessen gebeten. Wir hatten einen eleganten separaten Raum für uns. Es gab Hühnchen in Soße, Braten in Sülze, Käse, Tomatensalat, Butter und Brot. Dazu konnte man sich einen Tee zubereiten. Zufrieden und gut gelaunt setzen wir uns vor die Reisemobile und klönten eine Runde. Nach 22 Uhr wurden wieder die Mücken lästig, wir verzogen uns die die Mobile. |
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Am nächsten Morgen um 9 Uhr nahmen wir in dem gleichen Raum wie am Vorabend ein zweites ansehnliches Frühstück ein. Um 10:30 Uhr holte uns ein moderner IVECO-Kleinbus mit halbstündiger Verspätung ab, um uns aus der Einsamkeit zu einer dreistündigen Stadtbesichtigung von Allenstein zu entführen. Der Fahrer versuchte die Verspätung durch eine rasante Fahrweise auszugleichen, dem einen oder anderen von uns stand der Schweiß auf der Stirn. |
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Bei Temperaturen über 30 Grad führte uns ein kenntnisreicher Stadtführer durch Allenstein. Mit 170.000 Bewohnern ist die Stadt an der Lyna (Alle) das Zentrum der Woiwodschaft (Masuren-Ermland). Im Zweiten Weltkrieg verlor Allenstein viele seiner historischen Gebäude. Heute zeigt sich das Stadtzentrum in einem gelungen Mix aus Alt und Modern. Anschaulich erklärte unser Führer die Geschichte der Stadt bis hin zu dem Pabstbesuch im Jahre 2002. |
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Gegen Mittag besichtigten wir die Burg Zamek aus dem 14. Jahrhundert. Der Astronom und Mathematiker Nicolaus Kopernikus wohnte im 15. Jahrhundert in der Festung. Da die Rückfahrt erst für 17 Uhr eingeplant war, suchten wir uns ein gemütliches Restaurant aus. Gut 2 Stunden haben wir dort gut und preiswert gegessen. (Preisbeispiel: Lachs an Gemüse mit Morzarella überbacken und gebackene Kartoffeln 29 Zloty) Die Bedienung war aufmerksam, nur die Rechnung kam, wie in Polen üblich, gemeinsam. Mühsam haben wir die vielen unterschiedlichen Gerichte und Getränke auseinander gerechnet. |
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Da wir noch ein wenig Zeit hatten, kehrten einige Reiseteilnehmer in einer der vielen Eisdielen ein. Bei Selbstbedienung schön im Schatten schlürften wir leckeres Eis, eine Kugel kostete 1,50 Zloty. Um 17 Uhr fuhren wir zurück, nach einem freundlichen Hinweis des Reiseleiters fuhr der gleiche Fahrer wie am Morgen uns deutliche behutsamer zum Stellplatz. Dort klönten wir am Abend noch eine Runde auf der Seebrücke, während ein Teilnehmer sich mit einem Polen einigte eine Angel zu benutzen. Das Gelächter war herzhaft, wenn er nach angestrengten ziehen ein Büschel Seegras an Land zog. |
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Ärgerlich, am nächsten Morgen gab es schon wieder keine Brötchen. „Leider“ mussten wir stattdessen ein Frühstück einnehmen. Diesmal gab es eine Milch-Griessuppe und heiße Knackwürstchen mit Tomatenketschup oder Senf als Beigabe. Auch der heutige Tag versprach wieder sehr warm zu werden. |
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Kloster Heiligelinde - Wolfsschanze Gegen 10 Uhr fuhren wir am in bewährter Manier weiter zum Kloster Heiligelinde. (Swieta Lipka) Die weithin sichtbare Barockkirche ist Ziel unzähliger Marienwallfahrer. Die dreischiffige Basilika prunkt mit aufwendig gestalteten Fassaden, errichtet 1687 bis 1694 von Jesuiten. Still lauschten wir während eines Gottesdienstes den Gesängen und der klangvollen Orgelmusik. Eindrucksvoll ist der 19 Meter hohe Hauptaltar in der Kirche. Fantastische Deckmalereien und eine wunderschöne Orgel zieren die sehr gut erhaltene Kirche. |
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Weiter ging es Richtung Gierloz (Görlitz). In der Nähe des Dorfes befinden sich Zeugen der Vergangenheit, die Bunkerreste auf dem Gelände der Wolfsschanze. Unser Reiseleiter setzte sich bei der Platzaufsicht durch, wir erhielten Parkplätze im Schatten und machten erst einmal Mittagspause. 1940 bis 1944 bauten hier die Deutschen das Hauptquartier des „Führers“. Auf 2,5 km² befanden sich über 100 Gebäude. Als die rote Armee quasi vor der Tür stand, gab Hitler im November 1944 den Befehl zur Sprengung und verließ die Wolfschanze Richtung Berlin. Die massiven Betonmauern trotzen im Januar 1945 überwiegend dem Sprengstoff. Unser etwas kauziger Führer erklärte uns alles ausführlich. Gewaltige bis zu 6 Meter dicke Betonmauern sicherten die „Prominentenbunker“ (Bunker im Bunker). Eigentlich möchte man davon gar nichts sehen, aber die Anlage gehört zu unserer deutschen Geschichte und spiegelt den Wahnsinn dieser furchtbaren Zeit wieder. Schade, dass das Attentat auf Hitler von Claus Graf Schenk von Stauffenberg hier missglückte. |
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