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Polen Juli 2006 - Ostpreußen und Masuren, eine geführte Tour mit HEKA-Mobilreisen

Ein Reisebericht von Bernd Loewe

Polen ist ein vielfältiges Land im Herzen Europas. Die Ostsee mit ihren feinen Stränden oder die wald- und seenreichen Masuren, aber auch die kulturreichen Städte sind eine Reise wert. Soweit die Vorkenntnisse aus Reiseberichten und Reiseführern.

Am 1. Juli begann die Reise in Hattingen Ruhr. Am Nachmittag stand das Reisemobil am Elbeufer in Magdeburg. Am Anleger der „Weißen Flotte“ werden Reisemobile toleriert. Der Stellplatz ist kostenlos, liegt ruhig direkt am Elbeufer. Ver- und Entsorgung ist nicht möglich, seinen Abfall nimmt der Reisemobilist wieder mit. Ein ausgedehnter Bummel durch Magdeburg endete mit der Erkenntnis, dass es hier viele Menschen gibt, die Dienstleistung freundlich erbringen. Ein Vorurteil weniger.

Das in der Nähe des Stellplatzes errichtete Zelt mit Großbildschirmen zur Fußballweltmeisterschaft störte nur bis zum Jubel der Fans, als die Mannschaft von Frankreich die Brasilianer nach Hause schickte. Die Nacht war wunderbar ruhig, bis es um 6 Uhr morgens am Reisemobil klopfte. „Guten Morgen, mein Name ist ... von der weißen Flotte. Heute findet hier der Fischmarkt statt, die Stände werden hier aufgebaut. In Kürze können Sie hier nicht mehr wegfahren. Bitte parken Sie heute oben auf dem Parkplatz.“ So die freundliche Mitarbeiterin. In der Tat, die ersten Stände wurden bereits aufgebaut, also den Motor anwerfen. Der Ausweichparkplatz lag an der Straße, einmal wach wollte sich der Schlaf nicht mehr einstellen. 

Gemächlich fuhr ich über die Bundesstraße 1 bis zur A 2. Kurz nach 7 Uhr noch ein wenig getankt, auch hier trotz Sonntagmorgen eine freundliche scherzende Kassiererin. Selbst nach der Payback-Karte wurde gefragt. Ob ich sonst noch einen Wunsch hätte. Verwundert rieb ich mir die noch schlaftrunkenen Augen.

Rastplatz „Biegener Hellen“

Die ersten Eindrücke der viel Natur bietenden Nebenstrecke durch die Dörfer zum Campingplatz erinnerten an den Osten Deutschlands nach der Wende.

Nach einer ausgiebigen Frühstückspause an einem Autohof rollte das Robel Mobil Richtung Berlin. Auf dem Rastplatz „Biegener Hellen“ kurz vor Frankfurt/Oder trafen sich sechs Reisemobile der geführten Tour von HEKA-Mobilreisen. Die polnischen Inhaber führen die Reisen in Gruppen von maximal 8 Mobilen selbst, sprechen deutsch und polnisch. Sie kennen die polnischen Besonderheiten in ihrer Heimat natürlich sehr gut.

Gegen 15 Uhr fuhren wir gemeinsam nach einem problemlosen Grenzübertritt nach Polen. Als erstes wurde an der Grenze Geld getauscht, etwas ungünstiger als zuhause. 1 Euro sind etwas 4 Zloty, je nach Kurs. Der Diesel kostete knapp einen Euro, das haben die meisten Teilnehmer erstmals zum Volltanken genutzt. Das bezahlen mit den üblichen Kreditkarten oder EC-Karte ist kein Problem.

Herunter gekommene Häuser wechselten sich mit unfertigen Neubauten oder teilrenovierten Häusern ab. Die zum Teil mit Kopfsteinpflaster versehenden Straßen in den Dörfern erfordern keine Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, hier fährt man freiwillig max. 25 km/h. Aber auch ist überall die die „neue Zeit“ zu erkennen, die Beschilderungen sind neu, die schmalen Straßen sind teilweise bereits erneuert.

Sulecin

Der erste Campingplatz für eine Nacht liegt in der Nähe von Sulecin, ca. 60 Kilometer von der Grenze entfernt. Der Platz liegt weit ab von der Straße mitten im Grünen idyllisch an einem Badesee. Die letzten 500 Meter der Zufahrt ist eine staubige Piste. Der schon lange existierende Campingplatz “Marina” ist jetzt unter deutscher Leitung, aber die neu eingesäten Stellflächen waren noch mehr oder weniger Baustelle. Jedenfalls war das Speerdifferenzial des Sprinters hilfreich. Wie das so ist, die Stromkabel waren blitzschnell in den Steckdosen. Freudestrahlend verkündete jemand, die Klimaanlage läuft, was will man mehr!

Der erste Abend diente zum kennen lernen. Gewarnt wurden wir vor der Qualität des Trinkwassers in Polen, besser wäre für Kaffeewasser usw. ein 5-Liter Kanister Mineralwasser zu kaufen. (ca. 3 bis 6 Zloty)

Bei einem gemeinsamen Abendessen wurde der Reiseverlauf besprochen. Das Essen war reichhaltig, Wildschweinbraten, Bratenaufschnitt, ein kaltes Fischgericht (lecker, ein griechisches Rezept!) Suppe, frische leckere Brötchen und das polnische Sauerkraut. Alles reichlich, selbst 2 Getränke waren inklusiv.

Es schloss sich ein langer unterhaltsamer Klönabend bei Bierchen und Wodka an.   

Malbork (Marienburg)  

Der erste Tag war gleichzeitig mit über 350 Kilometer die weiteste Tagestour der 14-tägigen Reise. Über selten gute Landstraßen führte uns Maciej Hejne und Anna-Maria Kawuza nach Malbork (Marienburg). Ein Reisemobil hatte ein technisches Motorproblem, der Reiseleiter kümmerte sich umgehend um eine Werkstatt. Seine Lebensgefährtin übernahm die Führung und nahm auf den verwaisten Beifahrersitz des Autors Platz.

Eine ausgiebige Mittagspause an einer Raststätte diente zur Entspannung. Alle waren froh, als wir gegen 18 Uhr den Campingplatz in Malbork erreichten. Die Straße Nr. 22 war mal im Topzustand (selten), ab und zu akzeptabel, oft sehr schlecht. Etwa 30 Kilometer befuhren wir sogar gute alte Betonpisten. Die Geräuschkulisse im Reisemobil war entsprechend, das Fahrzeug wurde ordentlich durchgeschüttelt. Anschließend war in den Schränken viel mehr Platz …

Der Campingplatz in Marienburg liegt im Grünen, schlichte aber saubere Waschräume, eine Toilettenentsorgung, alles vorhanden. Einige Zelte, Wohnwagen und viele Reisemobile aus Deutschland nutzten den Platz bereits.

Um 20 Uhr wurden wir zum Grillen eingeladen, aber nicht mit Holzkohle, sondern die Krakauer wurde am Stock über dem offenen Feuer gegrillt. Dazu leckere polnische Salzgurken, Tomatensalat, Brot und Getränke, alles reichlich.

Diese Art zu grillen hat seinen besonderen Reiz, denn nicht nur eine meiner Würste fiel ins Feuer. Jedenfalls war da Gelächter groß, wenn so ein „Unglück“ geschah. Übrigens, sogar dem geübten Reiseleiter flutschte die Wurst auf den Boden.

Gegen 22 Uhr wurde es dunkel, die Mücken suchten uns und die gut gelaunte Gesellschaft löste sich auf.

Am nächsten Morgen, bereits um 7:20 Uhr rief ein gut gelaunter Reiseleiter sein „Guten Morgen“ über den Campingplatz und verteilte die Brötchen. Um 9:25 Uhr starteten wir mit einem Boot zur Marienburg, der ehemaligen Machtzentrale des Deutschen Ordens. Unsere Reisemobile wurden trotz Campingplatz zusätzlich bewacht.

Mit einem Boot fuhren wir gemächlich zur Marienburg.

Nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges ist die Marienburg heute wieder die schönste und größte Burganlage Polens. (UNESCO-Weltkulturerbe) Wuchtig und wehrhaft beherrscht die aus Backstein errichte Marienburg am Ufer des Nogat.

Eine deutsch sprechende Reiseleiterin führte uns rund 3 Stunden durch die hochinteressante und riesige Burganlage. Ursprünglich mit den Außenwerken mal 21 ha, jetzt erstreckt sie sich immerhin noch auf 5 ha.

Wir schlenderten durch die Säle, in die Burgküche und besichtigten die Heizungsanlage, die viele Räume mit einer Fußbodenheizung nach dem Vorbild der Römer (!) versorgte.

Die gesamte Anlage erlitt im Krieg schwerste Schäden und wurde ab erst 1960 restauriert. Heute wieder eine sehenswerte Wehranlage, eine der interessantesten touristischen Attraktionen Polens. Die 1340 fertig gestellte Marienkirche wurde in Erinnerung an die Kriegszeiten nicht rekonstruiert. Nur das Dach wurde erneuert, hier sind Bilder ausgestellt, die kurz nach dem Krieg aufgenommen wurden. Nur ca. 20 Minuten dauerte der Spaziergang entlang der Nogat zurück zum Campingplatz.

Weiter: Elblag (Elbing)

 

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