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Sardinien mit dem Reisemobil – ein Reisebericht von Bernd Loewe

Sardinien stand auch schon einige Zeit auf der Liste unserer Reisew√ľnsche. Mit einer zweiw√∂chigen Verz√∂gerung gegen√ľber unserer urspr√ľnglichen Planungen starten wir am 17. September 2005 unsere insgesamt vierw√∂chige Tour nach Sardinien.

Vorbemerkung

Diese Tourbeschreibung “Sardinien mit dem Reisemobil” hat nicht den Anspruch einer vollst√§ndigen Inselbeschreibung mit allen ihren Sch√∂nheiten und sehenswerter Kultur, sondern das ist vielmehr eine individuelle Entdeckungstour. Unterbrochen immer wieder von einigen geruhsamen Urlaubstagen in einer besonders sch√∂nen Region.

Eindrucksvolle Bilder und Beschreibungen √ľber Sardinien haben uns im Vorfeld neugierig gemacht. Gewarnt wurden wir vor der Hauptsaison, im Juli und August herrscht auf der Insel ein heftiges Get√ľmmel bei manchmal unertr√§glicher Hitze. Der Michelin Reise-Verlag (Der gr√ľne Reisef√ľhrer Italien) schreibt einleitend √ľber Sardinien: ‚ÄěBei dem Versuch, sich eine Urlandschaft unserer Erde vorzustellen, mag diese Insel den Tr√§umen sehr nahe kommen: Von Wind und Wasser geformte Felsen, Stille, nur von den Ger√§uschen der Natur unterbrochen, W√§lder von Korkeichen, Steineichen und Oleander, D√ľfte von Kr√§utern und beeindruckendes klares Meerwasser.“ Das ganze gepaart auf 23.318 Quadratkilometern, mit einer Geschichte, die weit bis vor Christi zur√ľckreicht. 

Reisef√ľhrer und Landkarte

Hier ist der Beweis, nicht immer sind die Ansichtskarten gesch√∂nt, diese (links) entspricht durchaus auch dem Auge des Fotografen! Wenn man allerdings die √§ltere Ansichtskarte genau vergleicht, dann erkennt man rechts, am Strand sind schon neue Bauten entstanden.

Bei den Reisevorbereitungen sind wir auf den erst im Juli 2005 erschienen Sardinien Wohnmobil-Tourguide von Peter H√∂h gesto√üen. Ein Sardinienkenner, der die Insel mit dem Reisemobil befahren hat. Das lesen dieses gut gemachten Reisef√ľhrers hat die Planung sehr vereinfacht, die vielen offiziellen Stellplatztipps und Wasserstellen (mit GPS-Koordinaten) waren verlockend. Unterst√ľtzt wurde die Planung von einer √§lteren Reisef√ľhrerausgabe (1989) Sardinien aus dem Verlag Velbinger. Schon hier wurden Razzien der Reisemobile durch die Polizei an bestimmten Strandabschnitten beschrieben.

Peter Höh - Die schönsten Routen durch Sardinien - ISBN 3-8317-1382-0

Erschienen ist der Reisef√ľhrer im REISE-KNOW-HOW Verlag Bielefeld f√ľr 17,50 Euro. Komplett farbig, √ľber 130 Fotos, 6 detaillierte Stadtpl√§ne, 11 gro√üformatige Routenpl√§ne, 304 Seiten.

Sardinien Landkarte - ISBN 3-8317-7091-3 

Seit Mai 2003 werden die Karten des Verlages REISE-KNOW-HOW auf Polyart gedruckt und sind damit bei normalem Gebrauch wasser- und rei√üfest. Neueste Kartografie, Ma√üstab 1:200.000, detaillierte Darstellung des Terrains, aktuellstes Stra√üenbild, Gradgitter und ein ausf√ľhrliches Ortsregister, mit dem man die Orte, die man sucht, auf der Karte auch findet. Gefaltet 10x25cm (aufgefaltet 60x92cm), ein- oder beidseitig bedruckt, kein st√∂render Pappumschlag. Erste Auflage 2003 f√ľr 8,90 Euro.

Fährverbindungen

Zun√§chst haben wir uns um die F√§hrverbindungen gek√ľmmert. Da wir Camping an Bord von den griechischen F√§hren sch√§tzen kennen gelernt haben, lag der Schwerpunkt auf Gesellschaften, die diese M√∂glichkeit bieten. Von der Reederei Moby Lines, die mit der ‚ÄěMoby Rider“ Camping an Bord anbietet, haben wir schnell Abstand genommen. Das soll ein uraltes qualmendes F√§hrschiff sein, das vorwiegend dem Lastverkehr dient. Ein echter ‚ÄěSeelenverk√§ufer“, wie uns Nutzer dieser F√§hre berichteten.

Mit der ‚ÄěLinea dei Golfi“ glaubten wir eine Alternative gefunden zu haben. Eine Buchung √ľber das Internet ist ebenso m√∂glich, wie eine Buchung bei dem Sardinienspezialisten TURISADA in D√ľsseldorf. Die pers√∂nliche Beratung am Telefon war ausgezeichnet und hat durch den Dschungel der Tarife gef√ľhrt. Hier k√∂nnen ohne Aufpreis die g√ľnstigsten Tarife gebucht werden. Innerhalb von 24 Stunden waren die Tickets im Briefkasten.

F√ľr die Hinfahrt haben wir eine Nachtfahrt von Livorno nach Olbia gew√§hlt, zur√ľck eine Tagesfahrt von Olbia nach Piombino. Bei vorheriger Buchung gab es f√ľr die Tagesr√ľckfahrt 50% Rabatt. Unser √ľber 7,70 Meter langes (einschlie√ülich Motorrollertr√§ger) Robel-Mobil kostete daher hin und zur√ľck rund 290 Euro in der g√ľnstigen Nebensaison.

Nicht vergessen: F√ľr alle √ľberh√§ngende Lasten, wie Fahrradtr√§ger (auch ungenutzte!), Gep√§ckboxen oder Motorrollertr√§ger am Heck des Reisemobils ist in Italien eine spezielle f√ľr Italien zugelassene Alu-Warntafel vorgeschrieben. Kosten so um die 30 Euro. Ein Bu√ügeld ist erheblich h√∂her! Na ja, die wiederum spezielle spanische Warntafel kostet sogar um 40 Euro, auch im vereinten Europa ist so etwas nicht einheitlich geregelt. Unterwegs berichtete ein Sardinienkenner, dass er seit Jahren mit einem Hecktr√§ger und zus√§tzlicher R√ľckleuchteneinheit problemlos sein Motorrad ohne diese Tafel transportiert. 

Individuelles Reisen mit dem Reisemobil auf Sardinien

So sehr ern√ľchternd war die Erkenntnis aus den Reisef√ľhrern nicht, dass das Freistehen mit dem Reisemobil an den Str√§nden Sardiniens quasi √ľberall verboten ist. Das lag an den Wagenburgen von Freizeitfahrzeugen in der Vergangenheit, die teilweise ganze Str√§nde blockierten und ihren M√ľll in der Landschaft entsorgten. Diese Beschr√§nkungen sind leider √ľberall in Europa zu beobachten und das haben letztendlich uneinsichtige Reisemobilisten und Freicamper durch schlechtes Benehmen selbst verursacht. Die Invasionen von Freizeitfahrzeugen haben den Schildermachern ein profitables Gesch√§ft beschert, diese oder √§hnliche Schilder sind auf Sardinien √ľberall zu sehen. In der Nachsaison wird ein diskretes √úbernachten an einigen Strandabschnitten geduldet. Die aufgesuchten freien Stellpl√§tze auch an den Str√§nden werden in diesem Bericht nicht exakt beschrieben, hier sollte jeder selbst seinen Entdeckungsgeist spielen lassen.

Verbotsschild

Grenzenlose Freiheit?

Das Entstehen einer Infrastruktur f√ľr Reisemobile mit offiziellen Stellpl√§tzen und Ver- und Entsorgungsm√∂glichkeiten auf Sardinien l√§sst hoffen. Denn die Reisemobiltouristen lassen ihr Geld direkt auf Sardinen und nicht bei den internationalen Reiseagenturen. Ich wei√ü, ich wei√ü, es gibt die Fraktion der absoluten Freisteher. Mit vor Stolz geschwellter Brust wird erz√§hlt, den ganzen Urlaub nicht einmal Geb√ľhren gezahlt zu haben. Wer auf Sardinien frei √ľbernachten will, der muss sich aber √ľber eindeutige Verbotsschilder hinweg setzen. Auch in der Nachsaison werden bestimmte Str√§nde regelm√§√üig von der Polizei ger√§umt.

Es stellt sich auch die Frage, ob die √∂ffentlich zug√§nglichen Wasserh√§hne f√ľr die Versorgung von in der Regel mindestens hundert Liter Wasser von Reisemobilisten legal genutzt werden d√ľrfen? Ist eine Grauwasserentsorgung in die Landschaft tats√§chlich unbedenklich? Wo bleibt der Toiletteninhalt? Ich m√∂chte hier allerdings nicht als ‚ÄěS√§ulenheiliger“ dastehen, denn Campingpl√§tze sind auch mir in der Regel ein Gr√§uel. Daher sind f√ľr mich die offiziellen Reisemobil-Stellpl√§tze auf Sardinien gegen weitgehend akzeptablen Geb√ľhren mit einer entsprechenden Infrastruktur (in der Regel mit Ver- und Entsorgung, Strom und manchmal Duschen) sicherlich eine gute Alternative.

Es besteht au√üerdem kein Risiko von der Polizei verjagt zu werden. Insbesondere in der von uns erlebten Nachsaison waren diese “Area di Sosta” nur gering ausgelastet, angenehm ruhig und oft auch sch√∂n gelegen in Strandn√§he. Abschreckend sind mit Sicherheit die zum Teil sehr hohen Preise der Campingpl√§tze, au√üerdem schlie√üen auf Sardinien viele Pl√§tze bereits ab Mitte/Ende September.

            Genug der Vorworte, hier beginnt der eigentliche Reisebericht:

Anreise, Fähre und erster Tag auf Sardinien

Abstecher zur “Isola di Sant`Antioco”

Posada, “Castello della Fava” und Strand

√úber Iglesias nach Buggerru

Monte Albo, Nuragendorf Serra Orrios

Rollertour Masua - Nebida - Fontanamare

Agriturismo Nuraghe Mannu in Cala Conone

Ausflug zu den D√ľnen der Costa Verde

Abstecher √ľber Baunei nach Su Golgo

Abstecher Provinzhauptstadt Oristano

Santa Maria Navarrese, Ausflug nach Arbatax

Halbinsel Sinis - Putzu Idu

Ausflug zur Grotta di Su Marmuri, Costa Rei

Rollertour nach Is Arutas und Mari Ermi

√úber Villasimius nach Solanas

Provinzhauptstadt der Barbagia, Nuoro

Cagliari, die Hauptstadt Sardiniens Teil 1

Strand ‚ÄěLido di Pittulongu“ und Olbia

Cagliari, die Hauptstadt Sardiniens Teil 2

Fähre von Olbia nach Piombino

Pula – “Aera Archeologica di Nora”

Lucca in der Toscana - lohnt immer

Comune di Domus de Maria - S√ľdk√ľste

Kurze Info Sardinien und Geschichte

Sardinien (italienisch: Sardegna),

zu Italien geh√∂rige Insel im Mittelmeer, westlich von Italien, unmittelbar s√ľdlich von Korsika, von dem es durch die Stra√üe von Bonifacio getrennt ist. Zusammen mit einigen Nebeninseln bildet Sardinien die gleichnamige italienische Region. Sardinien ist die zweitgr√∂√üte Insel im Mittelmeer, rund 267 Kilometer lang, 120 Kilometer breit und 23.318 Quadratkilometer gro√ü. H√∂chste Erhebung der gebirgigen Insel sind die Monti del Gennargentu (1.834 Meter hoch). Das fruchtbarste Gebiet befindet sich im Campidano, einer Ebene im S√ľdwesten der Insel.

Haupteinnahmequellen sind neben dem Tourismus, Viehzucht und Landwirtschaft. Angebaut werden vor allem Getreide, Oliven, Wein und Tabak. Bedeutend sind ferner Blei-, Zink- und Kupferabbau sowie Salzgewinnung. Hauptstadt der Insel ist Cagliari, weitere wichtige Städte sind Nuoro und Sassari. Die Einwohnerzahl von Sardinien beträgt etwa 1,65 Millionen.

Handelsstationen wurden auf Sardinien schon von den Karthagern (ph√∂nizischen Kolonisten aus Nordafrika) gegr√ľndet. 238 v. Chr. wurde die Insel an Rom abgetreten. Nach dem Untergang des R√∂mischen Reiches wurde Sardinien von den Wandalen erobert, im 6. Jahrhundert n. Chr. fiel es an Byzanz. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert wurde Sardinien immer wieder von den Sarazenen heimgesucht. In den Jahrhunderten danach k√§mpften Pisa und Genua um den Besitz der Insel. Der Papst, der die Oberherrschaft √ľber die Insel beanspruchte, √ľbergab Sardinien im 14. Jahrhundert an die Krone von Arag√≥n. Die Aragonier bzw. sp√§ter die Spanier regierten Sardinien bis zum Utrechter Frieden (1713), durch den die Insel zu √Ėsterreich kam. 1720 fiel Sardinien an das Haus Savoyen. Zusammen mit Savoyen, Piemont und Nizza bildete Sardinien das K√∂nigreich Sardinien. Erst 1861 wurde Sardinien Teil des K√∂nigreiches Italien.

NURAGHEN: Diese pr√§historischen Denkm√§ler stammen aus der Bronze- und Eisenzeit, d.h. sie wurden um ca. 1500 vor Chr. Geschaffen. Die meist kegelf√∂rmigen Bauten wurden aus grossen Basaltsteinen ohne M√∂rtel errichtet. Die Hauptt√ľrme waren umgeben von Befestigungsw√§llen, kleineren T√ľrmen und manchmal auch von H√ľtten. Die T√ľrme wuchsen im Laufe der Jahrhunderte zu bis zu vierst√∂ckigen Festungst√ľrmen empor. G√§nge, Schiessscharten und Treppen bildeten ein perfektes System zwischen Wohnr√§umen und Verteidigungsposition. Eine eigene Wasserversorgung mit einem Brunnen war durchaus √ľblich. √úber 7000 Nuraghen finden sich auf der gesamten Insel. Niemand weiss genau wozu sie einst eigentlich dienten - ob es Wacht√ľrme, Kultst√§tten oder Verteidigungsanlagen waren.

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